Biokunststoffe

In Zucker verpackt

Von Miriam Galler und Katharina Lehmann · 2018

Jemand wirft eine Kunststoffflasche in den Müll. Thema Biokunststoffe
Plastikflaschen gibt es zukünftig auch aus alternativen Materialien.

Kunststoffe aus Mais, Rüben oder Pflanzenabfällen versprechen die grüne Erlösung aus der Plastikmisere. Denn die Bioverpackungen kommen ohne Erdöl aus, zersetzen sich schnell und belasten die Umwelt nicht mit giftigen Substanzen. Ganz so rosarot ist die Welt der Biokunststoffe allerdings nicht.

Die Colaflasche der Zukunft besteht aus Zucker – genauer aus Fruchtzucker. Den Stoff, der vor allem aus Mais schnell und günstig gewonnen werden kann, haben Forscher der Universität Wisconsin in den USA nun in einem neuen Verfahren in Polyethylenfuranoat, kurz PEF, umgewandelt. Die Bezeichnung erinnert stark an PET, das Polyethylenterephtalat, das heute von der Colaflasche bis zum Joghurtbecher unzählige Lebensmittel und Drogeriewaren umhüllt. Die Namensähnlichkeit ist auch gewünscht, denn das PEF soll eine Schlüsselsubstanz für die Biovariante des Kunststoffklassikers werden. Für die Ware ist das von Vorteil. Denn das PEF ist stabiler und weniger gasdurchlässig als PET. Verpackungen könnten mit dem neuen Material also dünner ausfallen und Getränke länger frisch halten. Das wichtigste aber: Der Stoff kommt ohne Erdöl aus und ist somit umweltfreundlicher in der Herstellung. 

Biokunststoffe: Kasein statt Erdöl

Ob Wegwerfgeschirr aus Maisstärke, Trennfolie für Käse- und Wurstscheiben, die mitgegessen werden kann oder Plastiktüten aus dem Milchprotein Kasein, die nach einigen Wochen komplett verrottet sind – die Welt der Biokunststoffe ist riesig. Sie alle treten an, den Kunststoffmarkt zu revolutionieren. Der Grund: Herkömmliche Kunststoffe werden aus Erdöl gefertigt – die Ressource ist endlich und die Produktion belastet die Umwelt. Zudem verrottet das konventionelle Plastik nicht: Gerade die Weltmeere, aber auch Entwicklungsländer kämpfen mit dem Plastikmüll. Biokunststoffe sollen da Abhilfe schaffen. Sie werden zum Teil oder gar vollständig aus nachwachsenden Rohstoffen hergestellt – vor allem aus Mais oder Rüben, aus Pflanzenfasern oder Kasein. 

Bioplastik soll den Kunststoffmarkt revolutionieren.

Doch die Rohstoffe sind rar, die Produktion ist teuer und aufwendig. Deshalb ist auch der Marktanteil der Biokunststoffe bisher überschaubar: Auf dem globalen Kunststoffmarkt spielen sie mit sechs Prozent kaum eine Rolle. Immerhin gehen Forscher davon aus, dass ihr Marktanteil in den nächsten fünf Jahren auf zehn Prozent steigen wird.

Bioplastik löst Müllproblem nicht

Vollständig biologisch abbaubar sind aber nicht alle Biokunststoffe. Manche – wie das PEF – verrotten nicht. Eine Colaflasche, die sich selbst auflöst, würde ihren Zweck schließlich auch nicht erfüllen. Das Müllproblem werden Biokunststoffe wie PEF also nicht lösen. 

Doch das ist genau die Krux am Biokunststoff. Zwar wünschen sich immer mehr Verbraucher den stärkeren Einsatz von Kunststoffen aus nachwachsenden Rohstoffen, die ohne Erdöl, vor allem aber ohne potenziell schädliche Verbindungen auskommen. Die Vorzüge des konventionellen Plastiks, vor allem seine Robustheit und lange Haltbarkeit, möchten sie aber nicht missen. Sollen Biokunststoffe ihren erdölbasierten Pendants da nacheifern, müssen sie jedoch chemisch verändert werden – und zwar so, dass sie sich nicht mehr selbst zersetzen. Deshalb bleibt auch bei Biokunststoffen die Maxime: vermeiden, wo es möglich ist, sammeln und recyceln.

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