Sondermaschinenbau

Einkauf nach Maß

Von Andrea von Gersdorff · 2016

Industrie 4.0 ist ein Schlagwort, das es in sich hat. Bezeichnet es doch nichts weniger als die vierte industrielle Revolution, aufgrund derer auch Verpackungsmaschinen noch effizienter und flexibler werden sollen als bisher schon. Individualisierte Produkte für den Endkunden werden dann zur Normalität.

Das Internet ist die treibende Kraft für Industrie 4.0 in der Verpackungsbranche. Das Angebot an Waren ist unendlich – die Vielfalt der Kundenwünsche nimmt zu. Nicht nur Kleidung, Bücher und elektronische Geräte, individuell bedruckte T-Shirts, Tassen und Handyhüllen stehen auf der Wunschliste, sondern inzwischen auch selbst zusammengestellte Lebensmittel wie Müsli, Teemischungen oder 
Schokolade.

Konkrete Anforderungen

Auf diese individuellen Zusammenstellungen der Endkunden muss nicht nur die Verpackungsgröße abgestimmt sein. Die Verpackungsmaschinen müssen auch eine kurzfristig wechselnde, individuelle digitale Bedruckung bestellter Waren ermöglichen. Denn die Endkunden erwarten auch bei diesen Bestellungen Informationen über die verwendeten Inhaltsstoffe und deren Herkunft bis hin zum Echtheitszertifikat. Das Etikett, das erst erstellt und aufgeklebt werden muss, soll dann der Vergangenheit angehören. Entscheidend ist dabei, dass dies alles für den Verbraucher zu Preisen der Massenproduktion geschieht.

Verpackungsmaschinen werden deshalb daran gemessen, wie sie sich in die generellen Konzepte von Industrie 4.0, der Informatisierung der Fertigungstechnik und Logistik, einfügen. Denn die Vernetzung von Maschinen mit der Informationstechnologie im Unternehmen soll erhebliche Effizienzvorteile bei der Produktion auch kleiner Losgrößen bringen. Die Deutsche Akademie für Technikwissenschaften erwartet sogar, dass zukünftig Einzelstücke nicht mehr kosten als Massenware, dank Produktivitätssprüngen sowie Material- und Energieeinsparungen von bis zu 30 Prozent.

Losgröße 1

Das ausgegebene Ziel der Branche für die Herstellung von Verpackungsmaschinen heißt Losgröße 1. Dies entspräche genau den Anforderungen der Anbieter von individuell zusammengestellten Lebensmitteln: Wenn ein Kunde sich eine individuelle Teemischung bestellt, soll die Maschine in der Lage sein, diese eine Bestellung durchzuführen, ohne dass es zu langen Umrüstzeiten kommt, die Kosten verursachen. Kurze Umrüstzeiten, adaptive Maschinen und Fabriken, die quasi von selbst wissen, was sie als nächstes tun müssen, sowie eine dezentrale Fertigungssteuerung erlauben die kundenindividuelle Produktion und Verpackung zu Preisen der Massenproduktion. Um diese Ziele zu erreichen, ist ein enger Austausch zwischen den Herstellern von Verpackungsmaschinen und deren Kunden bei der Konzeption einer Maschine notwendig. Verpackungsmaschinen werden somit wie die von ihnen verpackten Waren immer individueller.