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Kühle Schokolade und eiskalte Drinks

Von Helge Denker · 2015

Bei Lebensmittelverpackungen setzen sich Innovationen nur langsam und zögerlich durch. Die Dosen feiern als Getränkeverpackungen ein Comeback, und auch die Kunststoffverpackungen legen zu. Neues gibt´s bei der Schokolade. Und die Recyclingquote entwickelt sich gut. Sie steigt.

Ein Blick in die Getränke-Regale der Supermärkte zeigt auf den ersten Blick nur wenig Innovatives: pet, Getränkekartons, Folien, Dosen und Glasflaschen. Alles sieht fast so aus wie vor zehn Jahren. Bei Getränkeverpackungen sind die Möglichkeiten und Materialien offensichtlich relativ beschränkt. Vor allem, weil viele Produzenten so wenig wie möglich für die Verpackung ausgeben. Viele fragen sich, ob der Verbraucher eine bessere Verpackung auch honoriert. Und entscheiden sich im Zweifel lieber dagegen. Deshalb darf die Verpackung zwar gern besser, aber nicht teurer werden. Innovationen, die es durchaus gibt, setzen sich deshalb nur sehr langsam durch. Bei den Getränkeverpackungen legen Metallverpackungen wie zum Beispiel Dosen deutlich zu. Laut einer Studie des Marktforschungs- und Beratungsunternehmens „Ceresana“ ist die Nachfrage nach Metalldosen seit 2005 für alkoholfreie Getränke europaweit um durchschnittlich vier Prozent pro Jahr gewachsen. Und ein Ende der Beliebtheit ist nicht in Sicht, obwohl die Konkurrenz durch Kunststoffverpackungen zunimmt. Die Recyclingquote von Metallverpackungen liegt derzeit mit rund 70 Prozent nicht unter der Quote anderer Verpackungsmaterialien. Mit einem neuen Logo soll nun die Aufmerksamkeit der Verbraucher in Sachen Wiederverwertbarkeit des Materials erhöht werden. Lebensmittel- und Konsumgüterproduzenten können ein Logo mit dem Schriftzug “Metal recycles forever”, auf der Verpackung selbst als “on-pack” und ebenfalls um die Verpackung herum als “off-pack” verwenden, um die Aufmerksamkeit zu erhöhen.

Vorbild in der Schweiz

In der Schweiz existiert übrigens bereits seit 15 Jahren ein eigenes Modell für die korrekte Entsorgung von Metallverpackungen: Der Metallrecycling-Preis der Eidgenossenschaft prämiert die eifrigsten Sammler für ihren Umwelteinsatz und belohnt die drei Sieger mit jeweils 1.000 Franken. Die Kampagne richtet sich vor allem an Haushalte und Gastronomiebetriebe, aber auch öffentliche Events und Einrichtungen machen bei der Aktion mit. Hierzulande hat sich das Sammeln und Recycling von Kunststoffflaschen durchgesetzt, und es hat wirtschaftlich Sinn ergeben, Einwegflas chen nur gegen Pfand abzugeben. Auf diese Weise kann man sie sauber und unbeschädigt wieder einsammeln und neue Flaschen daraus herstellen. So verwendet zum Beispiel Lidl heute für einen Teil seiner Eigenmarken-Getränke pet-Flaschen mit einem Recycling-Anteil von mehr als 50 Prozent.

Schmelzpunkt der Schokolade

Innovationen gibt es bei Schokolade und Kakao. Die Nachfrage ist hier seit Jahren immer weiter gewachsen; die Kakao verarbeitende Industrie verzeichnete im zweiten Quartal 2015 ein Plus von fast acht Prozent. In Europa waren es etwas über ein halbes Prozent gegenüber dem entsprechenden Vorjahreszeitraum. Zwischen Juli und September gehen die Verkaufszahlen regelmäßig zurück. Denn hohen Temperaturen hält die Schokolade nicht stand. Aus diesem Grund forscht die Branche seit längerem an einem höheren Schmelzpunkt für Schokolade. Den gibt es zwar, doch er geht bislang auf Kosten des Geschmacks. So liegen nun die Hoffnungen verstärkt auf innovativen Verpackungen. Die Verpackungsindustrie, aber auch Forschungsinstitutionen wie das Fraunhofer Institut, widmen sich seit Jahren der Entwicklung isolierender Verpackungen für Süßigkeiten. Noch wird herkömmliche Alufolie für einen Großteil aller Schokoladensorten als Verpackung genutzt, doch bei doppelt eingewickelten Tafeln setzen viele Hersteller auf eine Kombination aus Papier, gebundener Wellpappe und immer mehr auch auf Kunststoff.

Haselnuss statt Alufoile

Ein anderer Ansatz: Einer der weltweit größten Schokoladenproduzenten forscht an einer besonders nachhaltige Schokoladenverpackung aus Haselnussschalen. Verläuft alles nach Plan der internationalen Süßwarenmarke, sollen die bei der Produktion anfallenden Haselnussschalen schon bald als natürliche Verpackung für Schokolade verwertet werden. Allergie- und Hygienetests wurden bereits erfolgreich absolviert; die Hitzebeständigkeit wird noch überprüft. Einen ähnlichen Ansatz verfolgt die japanische Technikfirma nec. Sie nutzt Cashewnüsse zur Produktion von besonders widerstandsfähigen, hitzebeständigen und Wasser abweisenden Biokunststoffen. Mit denen experimentiert die Verpackungsbranche schon seit vielen Jahren. Unter den biobasierten Kunststoffen gibt es zum Beispiel Joghurtbecher aus Polymilchsäure. Diese funktionieren in der Praxis gut, weil Joghurt nicht lange haltbar sein muss. Für Kaffeepads dagegen taugt dieses Verpackungsmaterial nicht, weil es nicht die benötigte Aroma- und Sauerstoffbarriere aufbringen kann. Das Hauptproblem von Bioplastik: Bisher können Biopolymere einfach nicht das, was die herkömmlichen Polymere können – die man auch noch für relativ wenig Geld bekommt. Man verwendet sie als „Drop-In-Solution“, das heißt, man macht Ethylen nicht mehr aus Erdöl, sondern aus Bio-Ethanol. Die nachfolgende Produktionskette und die Produkte bleiben jedoch gleich. Deshalb wird man in der näheren Zukunft aus nachwachsenden Rohstoffen im Prinzip nur die gleichen Kunststoffe produzieren, die heute bereits eingesetzt werden.

Forschen an neuen Rohstoffen

Viele Institute forschen an alternativen Verpackungsmaterialien und liefern viele brauchbare Ergebnisse. Doch dies geschieht meist noch in sehr kleinem Maßstab und ziemlich weit weg von der praktischen Anwendung. Man muss noch sehr viel Arbeit hineinstecken. Auch die Kunststoff-Organisationen schätzen, dass es in naher Zukunft mehr Kunststoffe aus nachwachsenden Rohstoffen geben wird, deren Eigenschaften mit denen der herkömmlichen identisch sind. Exotische, neue Materialien werden hier wahrscheinlich nur einen kleinen Anteil haben. Wie zum Beispiel Polyhydroxybuttersäure (Phb), ein Material, das bereits 1925 entdeckt wurde, aus Bakterien gewonnen wird und biologisch abbaubar ist. Es ist in der Herstellung noch um ein Vielfaches teurer als Standardpolymere. Man kann hier allerdings noch keinen echten Marktpreis für phb angeben, da es bisher nur in kleineren Mengen hergestellt wird. Wie sähe sie aus, die ideale Verpackung für Lebensmittel der Zukunft? Bio oder Plastik? Multifunktional? Superleicht und ultrabillig? Das ideale Material für Lebensmittel-Verpackungen, es müsste recyclebar sein, bessere Funktionen als heute haben, kostengünstig und biologisch abbaubar sein. Bisher ist es noch nicht erfunden worden, aber das kann ja noch kommen.