Lebensweg einer Verpackung

Mehr als ein Multitalent

Von Alexandra Grossmann · 2017

Die Verpackung schützt beim Transport und liefert Informationen über ihren Inhalt. Experten unterscheiden zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärfunktionen. Am Ende ihres Lebenswegs geht die Verpackung zurück ins Recycling, wo sie wieder verwertet und neu verarbeitet wird.

Ob Lippenstift, Milchtüte oder Tiefkühlbox, Verpackungen sind so vielfältig und unterschiedlich wie die Waren, die sie umgeben und die Aufgaben, die sie erfüllen. Verpackungen dienen vor allem dem Schutz. Vor äußeren Einflüssen, vor Druck oder Licht, vor Feuchtigkeit oder Plagiaten. Gemeinsam ist ihnen der Lebensweg über Herstellung, Transport und Lagerung bis hin zum Konsumenten, von wo aus sie ins Recycling kommen und zu großen Teilen in neuer Form wieder in den Kreislauf eingehen. Im internationalen Vergleich gelingt dies in Deutschland besonders gut: Nirgendwo auf der Welt trennen die Menschen den Müll so sorgfältig wie hierzulande. Allein in der Hauptstadt laden pro Einwohner jedes Jahr 57 Kilogramm Pappe, 19 Kilogramm Glas und 21 Kilogramm Kunststoffe in den entsprechenden Sammeltonnen. Von hier aus geht es weiter in die Sortieranlagen. Heute ist es möglich, maschinell sowohl Polyethylenterephthalat (PET), Polypropylen (PP), Polyethylen (PE) und Polystyrol (PS) von einander zu trennen. Die Maschinen erkennen die Kunststoffe so gut, dass diese später mit einer Sortenreinheit von 98 Prozent wieder in die Industrie und somit ins Recycling zur Weiterverarbeitung gegeben werden können.

Primär- und Sekundärfunktionen

Verpackungen erfüllen heute viele Funktionen. Fachleute unterscheiden zwischen Primär-, Sekundär- und Tertiärfunktionen. Zu ersteren zählen Lade- und Transportfunktionen, Produkte müssen so verpackt sein, dass sie gegriffen und aufgesetzt, getragen und sowohl vor als auch zum Verkauf gelagert werden können. Hier spielen auch Gewicht und Form eine Rolle, denn die Ware muss optimal über- und neben einander gestapelt werden können. Als Lösung haben sich Standard- Paletten und Container etabliert. Als Sekundärfunktionen gelten Verkauf und Werbung, denn die Verpackung soll den Kunden ansprechen. Im Supermarktregal herrscht ein harter Konkurrenzkampf angesichts der Tatsache, dass etwa 70 Prozent der Kaufentscheidungen direkt am Point of Sale getroffen werden. Dienstleistungen wie Informationen über Nährwerte und Garantien über Marke, Verbraucherschutz und Produkthaftung sind ebenfalls hier angesiedelt. Zusatzfunktionen schließlich beziehen sich auf die Wiederverwertung, hier geht es um Nachhaltigkeit und die Recyclingfähigkeit. 

90 Prozent Recycling bis 2022

Im März dieses Jahres hat der Bundestag ein neues Verpackungsgesetz erlassen, welches das Recycling in Deutschland noch weiter ausbauen soll. Auf die geplante flächendeckende Einführung einer Wertstofftonne wird verzichtet, aber die Pfandpflicht wird erweitert und die Mehrwegverpackungen gefördert. Bisher landen fast 50 Prozent der Verpackungsabfälle aus gelben Behältern in der Müllverbrennungsanlage – mit verschiedenen Maßnahmen, die das neue Gesetz vorschreibt, soll die Recyclingrate bis 2022 je nach Material auf bis zu 90 Prozent steigen.