Verpackungsindustrie

Schachteln mit Kompetenz

Von Karl-Heinz Möller · 2018

Ein Mädchen und ein Mann blicken in eine Schachtel. Thema Verpackungsindustrie

Wo viel produziert und konsumiert wird, sind Verpackungen in der Regel ein wichtiger und nützlicher Faktor. Sie schützen die Waren beim Transport, geben Hinweise auf Größe, Bestimmung und Herkunft. Darüber hinaus informieren sie Händler und Kunden über Inhalte, Qualität und Preis. Eine besondere Rolle nimmt dabei die Gestaltung der Verpackung ein. Sie ist die Schnittstelle von Marken-Identität und Kommunikation – den aktuellen Themen in Zeiten von Wirtschaft 4.0, Online-Shopping und Digitalisierung.

Als Bindeglied zwischen dem Endverbraucher, dem Handel und dem Hersteller nimmt die Verpackungsindustrie eine zentrale Position innerhalb der Wertschöpfungskette ein. Angetrieben werden Produktion und Millionen individueller Ausführungen an Kisten, Schachteln, Tüten, Tuben, Dosen, Fässern und Flaschen von einem wirtschaftlich bedeutenden Industriezweig mit mehr als 500.000 Beschäftigten hierzulande.

Herausforderungen der Verpackungsindustrie: Rohstoffeinsatz und Energieverbrauch

Sowohl innerhalb stark technisierter Prozesse als auch im Rahmen handwerklich orientierter Produktionsabläufe repräsentiert die Verpackungsindustrie ein breit gefächertes Portfolio, welches die unterschiedlichsten Industriesegmente beinhaltet. So gehören Hersteller von Packstoffen, Packmitteln und Packhilfsmitteln und Maschinen der Branche an, genauso wie Unternehmen aus Bereichen wie Logistik und Handel.

Zu den großen Herausforderungen für Unternehmen der Verpackungswirtschaft zählen die Effizienz im Rohstoffverbrauch und die Optimierung des Energiebedarfs. Darüber hinaus rückt das Thema Nachhaltigkeit immer mehr in den Vordergrund und wird ein Faktor im Wettbewerb. Höchsten Stellenwert und größte ökonomische Bedeutung nehmen Unternehmen der Nahrungs- und Genussmittelindustrie, der Kosmetikindustrie, der chemisch-pharmazeutischen und der verarbeitenden Industrie ein. Fragmentierung und hohe Differenzierung sind ein Merkmal dieser Branche.

Die Gestaltung der Verpackung baut die Brücke zwischen Marketing und Kunden

Je nach Segment, Zielgruppe, Verwendung und Qualität legen Marketing-Strategen die relevanten Kriterien für ein Produkt fest. Dabei geht es unter anderem um die perfekte Größe der Verpackung, das passende Material, den Umfang der gesetzlich vorgeschriebenen und werblich ergänzenden Informationen in Wort und Bild. Immer häufiger stehen neben den ökonomischen die ökologischen Aspekte einer Ware und der Verpackung im Vordergrund. Im Fokus steht dabei der gesamte Lebenszyklus eines Produktes, das im Idealfall von der Kauf- und Gebrauchsphase via Recyclingprozessen wieder als Rohstoff neu aufersteht (Rohstoffkreislaufmodell Cradle to Cradle).

Die Verpackung wird zum Hightech-Vehikel.

Spätestens am Point of Sale (POS) treffen die verschiedenen Interessen der Beteiligten hart aufeinander. Im Einzelhandel, dem drittgrößten Wirtschaftszweig Deutschlands mit 300.000 Unternehmen und zirka drei Millionen Beschäftigten (November 2017), entscheidet sich in der Regel, ob ein Produkt gut beim Konsumenten ankommt und beispielsweise die Kriterien der Nachhaltigkeit erfüllt oder ob es durchfällt. Mitunter kann bei Kaufentscheidungen die Verpackung einen Anteil von 50 Prozent für oder gegen den Erwerb ausmachen, wie Analysen von Werbeagenturen und Consultants belegen.

Eine besondere Situation entsteht bei der Recherche nach Gütern, die sowohl Online als auch im stationären Handel angeboten werden. Käufer suchen hier auf verschiedenen Kanälen nach dem gleichen Produkt. Sie sehen vielleicht im ersten Schritt eine Ware im Internet, um sie dann physisch in einem Geschäft zu begutachten, oder umgekehrt. Verpackungen und Präsentation müssen für dieses Umfeld optimiert werden.

In Sachen Nachhaltigkeit steckt einmal mehr der Teufel im Detail, wie beispielsweise Untersuchungen zur Ökobilanz von Getränkeverpackungen zeigen. Es gibt demnach nicht die eine Verpackung, die für alle Produkttypen und Anwendungen gleichermaßen gut geeignet ist. Art und Ort des Konsums, Transportwege oder die eingesetzte Energie bei der Produktion beeinflussen die Ökobilanz. Vor allem trägt auch das eigene Verhalten dazu bei. Einkaufen sollte möglichst effizient gestaltet sein. Beispiel: Bei einer Einkaufsfahrt mit dem Auto von zehn Kilometern müssten mindestens 50 Liter Mineralwasser in PET-Flaschen oder Mehrweg-Glasflaschen eingekauft werden, damit die Umweltbelastung des Einkaufs nicht höher ist als die Belastung bei der Produktion.

Grafik: Plastikmüll im Jahr 2015: Wer ihn macht und wer recycelt. Quelle: iwd online, 2017
Quelle: iwd online, 2017

Digitale Verpackungen erobern die Märkte

Überschwemmt von der täglichen Flut an Informationen und der Masse an Produkten, fällt es Händlern immer schwerer, die Kunden dort zu erreichen, wo die Kaufentscheidung fällt. Intelligente Verpackungen können das Problem positiv beeinflussen. Merkmal ist die Fähigkeit, zusätzliche kommunikative Impulse auf der Basis digitaler Technologien zu setzen. Marktforschungsunternehmen wie Smithers Pira prognostizieren für diese Variante Wachstumsraten von 18 Prozent pro Jahr. Die Verpackung der Zukunft übernimmt eine neue Rolle und kann den klassischen TV-Werbespot ergänzen oder gar ersetzen. Via Codes wird die Umhüllung zum Entertainer und versetzt den Kunden im Zusammenspiel mit dem Smartphone in eine virtuelle Realität (Augmented Reality).

Seitens der Verpackungsindustrie werden hier ganz neue Kompetenzen herausgebildet. Auch Investitionen in eine digitale Wertschöpfungskette, die eine höhere Dynamik und Komplexität bewältigen kann, sind erforderlich. Dank E-Commerce wird diese Entwicklung an Tempo zulegen.

Verpacken wird zum Hightech-Vehikel. So überwachen intelligent präparierte Kartons und Behälter den Zustand des Inhalts und kommunizieren Veränderungen. Funketiketten (RFIDs) auf Arznei-Schachteln sichern so beispielsweise zeitgesteuert den Zugang zum Medikament, kleine Lautsprecher erinnern Patienten oder eingebaute Chips informieren den Arzt. Per „Printed Electronics“ sind die elektronischen Bauteile auf die Verpackung gedruckt. Neuerdings werden dafür keine Druckfarben mehr benötigt, sondern Funktionsmaterialien, die aus organischen Stoffen entstehen.

Frische und Qualität sind entscheidende Kriterien für Lebensmittel. Hier können über Stoffwechselprozesse, die sich natürlich in Lebensmitteln vollziehen, über Indikatoren angezeigt werden. Bei bestimmten Farbveränderungen wird Alarm ausgelöst.

In der Steinzeit drehten die Menschen erste Behältnisse aus Blättern, um ihre Nahrung sammeln und transportieren zu können. Für Napoleon war die Erfindung der Konservendose Chefsache, die eine Versorgung seiner Truppen mit unverdorbener Nahrung sicherte. 1912 wurde die erste Verpackungsmaschine für Butter patentiert. So geht die Geschichte immer weiter. Heute revolutioniert und erleichtert die intelligente Verpackung als „Smart-Package“ das tägliche Leben. Kartons und Schachteln als Freund und Helfer!

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