Karton

Vorbild im Recycling

Von Andrea von Gersdorff · 2016

Wellpappe, Karton und Vollpappe sind aus dem modernen Wirtschaftsleben nicht mehr wegzudenken: als Transportverpackung, als Umverpackung oder als Verkaufsverpackung der Endprodukte. Die große Menge an Papp-Müll aber trügt: Der Stoffkreislauf bei der Wiederverwertung ist nahezu geschlossen.

Für den Verbraucher sind alle Verpackungen aus Pappe, egal ob es sich um die Kartonage vom Versandhändler oder die Pralinenschachtel aus dem Supermarkt handelt. Doch für den Fachmann unterscheiden sie sich. Die Pralinenschachtel besteht meist aus Vollpappe, die aus mehreren verklebten Lagen besteht, und bei der Kartonage handelt es sich um Wellpappe, die an gewellten Zwischenlagen erkennbar ist. Sind diese Lagen sehr dünn und die Wellpappe besonders leicht, spricht der Fachmann hier von Karton, wie er beispielsweise zum Verpacken von Mobiltelefonen verwendet wird.

Multitalent

Wellpappenverpackungen bieten für nahezu jedes Transportgut umfassenden Schutz: Durch ihre Wellenkonstruktion aus Luft und Papier bildet die Wellpappe eine Art Luftpolster, das vor Stößen und Beschädigungen schützt. Darüber hinaus ist sie sehr leicht und stabil. Aber auch die feineren Vollpappen zeichnen sich durch hohe Festigkeit bei niedrigem Materialvolumen aus. Sie bieten vielfältige Konstruktionsmöglichkeiten gerade als Verpackung in der Lebensmittelindustrie. Nicht zuletzt halten sie hoher Luftfeuchtigkeit wie der in Kühlräumen stand. Sowohl Well- als auch Vollpappen lassen sich zu Werbe- und Informationszwecken bedrucken.
Die Produktion von Papier, Karton und Pappe für Verpackungszwecke betrug laut des Verbands Deutscher Papierfabriken von Januar bis November 2015 gut 10,3 Millionen (10,31), was einer Steigerung um 1,6 Prozent gegenüber dem Vorjahreszeitraum (10,15 Millionen Tonnen) entspricht. Damit bildet sie fast die Hälfte der gesamten Jahresproduktion der deutschen Papierindustrie, die in Europa deutlich vor Schweden und Finnland den ersten Rang einnimmt.

Mit gutem Gewissen

Ein großes Plus von Voll- und Wellpappe ist der nahezu geschlossene Stoffkreislauf. Denn soweit richtig entsorgt, wird der gesamte private, öffentliche oder gewerbliche Papier-Müll der Wiederverwertung zugeführt. Vollpappe kann dabei zu fast 100 Prozent aus dem Sekundärrohstoff Altpapier hergestellt werden. In Deutschland produzierte Wellpappe besteht zu durchschnittlich 20 Prozent aus frischem Bruch- und Durchforstungsholz, das bei der Pflege bewirtschafteter Wälder anfällt, und zu 80 Prozent aus Altpapieren. Bäume werden für diese Verpackungen nicht gefällt. Verbraucher können guten Gewissens zu diesen Pappen greifen, wenn sie etwas verpacken wollen.
Zwar verringert sich mit jedem Recycling-Prozess die Qualität der Papierfasern, sodass sie irgendwann nicht mehr für die Papierproduktion geeignet sind. Aber diese Fasern können kompostiert oder für die thermische Energieerzeugung genutzt werden, wobei sie fossile Brennstoffe ersetzen.