Logistik

Wenn der Karton smart wird

Von Claudia Harbinger · 2016

Sie sind die schützende Hülle gegen schädliche Einflüsse und Transportschäden. Fast jedes Produkt wird auf dem Weg vom Hersteller zum Verbraucher mindestens einmal verpackt. Pappe, Karton, Etiketten & Co. können im Zuge der Digitalisierung jedoch viel mehr Funktionen übernehmen. Die steigende Zahl von Online-Bestellungen beschert der Verpackungswirtschaft Zuwächse und regt Innovationen an.

Ob kleines Kaffeesahnedöschen oder großes Fahrrad – im Internet lassen sich nahezu alle Güter passend zum eigenen Bedarf erwerben. Besonders beliebt sind laut Experten Bekleidung, Bücher, Unterhaltungselektronik, Haushaltswaren und -geräte sowie Schuhe. Auch Möbel werden gerne online bestellt. Selbst für spezielle und zumeist sensible Produkte gibt es Angebot und Nachfrage. So können frische Blumen im Netz geordert werden, genau wie Zierfische oder Käsespezialitäten.
Am Ende der virtuellen Shopping-Tour hat der Kunde ein reales Produkt gekauft, dass seinen Weg schnell und sicher zu ihm finden soll. Eine Voraussetzung dafür ist die richtige Transportverpackung, die auf dem Lieferweg auch mal eine robuste Behandlung aushält. Sie muss sich trotzdem vom Empfänger leicht öffnen und gegebenenfalls zurücksenden lassen, denn jedes Paket ist eine potenzielle Retoure. 

Schützende Hülle 

Der Schutz des Inhalts steht auch in Zukunft an erster Stelle – egal, ob der Zusteller im LKW oder die Paket-Flugdrohne vor der Tür hält. „Die Schutzfunktion ist die Primärfunktion von Verpackung“, sagt Markus Schmid vom Fraunhofer Institut für Verfahrenstechnik und Verpackung IVV.
Die Verpackung kann als ein Gütesiegel für Unversehrtheit, Qualität und Echtheit fungieren, wenn sich ihr Weg lückenlos zurückverfolgen lässt. Wenn hochwertige Waren transportiert werden, können mögliche Erschütterungen und daraus resultierende Schäden aufgezeichnet und an den Kunden übermittelt werden. Möglich wird das durch Sensortechnik und Sender-Empfänger-Systeme wie RFID und NFC, mit denen Daten per Funktechnik kontaktlos übertragen und via Smartphone-App oder Tablet eingesehen werden können.
Mit derartigen Funkchips, die an der Verpackung angebracht oder in diese inte­griert werden, können auch Herstellungs- und Abfülldaten gespeichert und ausgelesen werden. Das Verbraucherverhalten lässt sich ebenfalls erfassen, wobei natürlich Datenschutzfragen berührt werden. 

Intelligente Verpackung 

Für den Kunden gut sichtbar sind bereits heute die bekannten Strich- und QR-Codes, die auf Verpackungen aufgedruckt oder aufgeklebt sind. Mit dem Smartphone oder über Lesegeräte im Geschäft erhält man Hintergrundinformationen zum Produkt, zum Beispiel über Inhaltsstoffe und Anwendung. Auch Werbung, Gewinnspiele und Kontakt zum Hersteller werden so übermittelt. In Zukunft werden sich Verpackungen selbstständig „melden“ können, im besten Fall zum Beispiel, um Patienten an die Einnahme ihres Medikaments zu erinnern.
Mit der Bedeutung solcher Codes nimmt auch die Bedeutung der Lesegeräte zu. Gerade dort, wo diese Informationen besonders sensibel sind – so zum Beispiel im Pharmabereich – gilt es, diese mit leistungsstarken Bildverarbeitungssystemen und Codelesern zu verifizieren. Bildbasierte Barcodeleser sind dazu mit hoher Geschwindigkeit in der Lage. 

Auskunft über Frische

Im Bereich der Lebensmittel können intelligente Verpackungen über die Frische des Produkts Auskunft geben, eine längere Unterbrechung der Kühlkette oder undichte Stellen mittels Farbveränderungen anzeigen. Auch der Reifegrad von Obst kann so für den Verbraucher erkennbar werden. Derzeit sind solche Verpackungen wegen der hohen Kosten noch wenig verbreitet. In verschiedenen Forschungseinrichtungen sind Experten jedoch damit beschäftigt, effiziente Lösungen für Händler und Verbraucher zu entwickeln.
Ein weiterer Bereich sind die sogenannten aktiven Verpackungen, die strengen gesetzlichen Vorgaben unterliegen. Sie werden auf Folien aufgebracht und wirken direkt auf die Produkte ein, um den bestmöglichen Zustand von Lebensmitteln zu erhalten. Das können zum Beispiel feuchteregulierende Materialien oder eine antimikrobielle Oberflächenbeschichtung sein, mit der der Einsatz von Konservierungsstoffen im Lebensmittel auf ein Minimum reduziert werden kann.