Bio-Verpackungen

Futter für Bakterien

Von Katharina Lehmann · 2019

Den Biokunststoffen gehört die Zukunft. Ihr Marktanteil wird in den kommenden Jahren signifikant anwachsen. Doch auch Bioplastik steht in der Kritik, nicht vollständig und zügig abbaubar zu sein. Helfen können da Mikroorganismen.

Kompostierbare Tüte aus Kartoffelstärke.
Nicht alle Bio-Tüten sind kompostierbar. Foto: iStock/K Neville

Etwa 7,8 Millionen Tonnen Biokunststoffe werden in diesem Jahr hergestellt. Das geht aus einer aktuellen Marktstudie des Verbands European Bioplastics hervor, die in Zusammenarbeit mit dem nova-Institut erstellt wurde. Zum Vergleich: Im Jahr 2014 waren nur 1,7 Millionen Tonnen produziert worden. „Der Markt für Biokunststoffe wird trotz der niedrigen Ölpreise mittelfristig um 50 Prozent wachsen“, ist François de Bie, Vorstandsvorsitzender von European Bioplastics, überzeugt. Verpackungen bleiben dabei mit einem Anteil von rund 40 Prozent das führende Anwendungsgebiet für Biokunststoffe. Noch ist der Anteil der Biokunststoffe an der Gesamtkunststoffproduktion mit 0,6 Prozent allerdings sehr gering.

Bio(-Verpackung) ist nicht gleich bio

Der Begriff Biokunststoffe weckt dabei hohe Erwartungen. Frei von Erdöl sollen die neuen Kunststoffe sein, vollständig biologisch abbaubar, ressourcenschonend und gut für Mensch, Tier und Umwelt. Doch Biokunststoff ist nicht gleich Biokunststoff. Die Vorsilbe bio kann nämlich zweierlei bedeuten, erklärt das Umweltbundesamt: Auf der einen Seite stehe sie für biobasiert, also aus nachwachsenden Rohstoffen auf Stärkebasis aus Mais oder Kartoffeln hergestellt. Auf der anderen Seite bedeute sie, dass der Kunststoff biologisch abbaubar ist. Kunststoffe aus Polyactid, die zum Beispiel für Lebensmittelverpackungen genutzt werden, können von Mikroorganismen in Kohlendioxid, Wasser und Biomasse zerlegt werden. Dafür brauchen die Mikroorganismen allerdings viel Zeit. Kunststoffe aus Bio-PET dagegen, das zwar aus nachwachsenden Rohstoffen besteht, sind derzeit noch nicht biologisch abbaubar.

Neue Bakterienstämme zersetzen Plastik 

Das lässt sich aber ändern. Zwar sind bisher nur wenige Organismen bekannt, die Kunststoffe zersetzen können. Weltweit fahnden Forscher jedoch mit Hochdruck nach neuen, aussichtsreichen Kandidaten. Erstes Ergebnis: Die Fähigkeit, Kunststoffe abzubauen, ist vor allem bei Bakterienarten verbreitet, die im Meerwasser und seiner Umgebung zu Hause sind. In der Nähe einer Kunststoff-Recyclinganlage hatten japanische Forscher dagegen einen genetisch veränderten Bakterienstamm entdeckt, der selbst PET angreift. Nun arbeiten US-Forscher am National Renewable Energy Laboratory und Kollegen der britischen Universität Portsmouth an Wirkmechanismen, um deren Effizienz zu verbessern, damit die Kunststoffe in Zukunft schneller zersetzt und die Nutzung der Mikroben industriell erfolgen kann.    

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