Karton

Außen bunt, innen sicher

Von Otmar Rheinhold · 2014

Karton ist stabiler als Papier, aber ebenso leicht bedruck- und beschichtbar. Das macht ihn zum Verpackungsmaterial der Wahl, auch für Lebensmittel. Moderne Sperrschichten und Migrationsbarrieren sorgen für idealen Schutz der Ware – und lassen sich mittlerweile ohne Schwierigkeiten recyceln.

Er ist allgegenwärtig, und ohne ihn sähe unser tägliches Leben anders aus. Gemeint ist der Karton. Das Material dient als Umverpackung, zur Verstärkung anderer Materialien und vor allem als Verkaufsverpackung für Dutzende von Warengruppen. Das Besondere am Karton liegt in der Kombination verschiedener Eigenschaften. Zum einen ist er deutlich dicker und fester als Papier – er wird in einem ähnlichen Prozess hergestellt, besteht in der Regel aber aus mehreren Lagen und weist eine höhere Grammatur (Dichte) auf. Das macht Karton stabil und dennoch leicht. Nicht umsonst steht das Wort sowohl für Material als auch für die allgegenwärtigen belastungsfähigen Behältnisse, die aus ihm gefertigt werden. Zugleich weist Karton dieselben Oberflächen­eigenschaften wie Papier auf. Das heißt, er lässt sich problemlos bedrucken und beschichten.

Einen gestrichenen Karton voll, bitte

So wird Karton zum nahezu idealen und universellen Verpackungsmaterial. Zum Einsatz kommt dabei gestrichener Karton, also ein Material, dessen Oberfläche ebenso wie bei vielen Papiersorten mit einer Art Grundauftrag versehen ist, der für exzellente Druckergebnisse sorgt. Zugleich lassen sich pro­blemlos weitere Materialschichten aufbringen, etwa um den Karton wasserdicht zu machen. Allein von diesem gestrichenen Karton werden in Europa jedes Jahr rund 5,2 Millionen Tonnen produziert. So wandert Tonne um Tonne an Nudeln, Tiefkühlkost, Salz, Keksen oder Saft in unsere Vorratsschränke, verlässlich umhüllt von Karton.

Wanderungsbewegung gestoppt

Wie alle papierbasierten Verpackungen weist Karton eine sehr gute Ökobilanz auf. Über 60 Prozent des in Europa produzierten gestrichenen Kartons wird aus Recyclingmaterial hergestellt. Die Frischfasern stammen vom nachwachsenden Rohstoff Holz. Daraus ergeben sich zunächst Herausforderungen, die aber auch Ansporn für stetige Innovation sind. Denn von außen erstrahlt Karton, wenn gewünscht, verziert mit allen Farben und Oberflächentechniken, die die Druckindustrie zu bieten hat und begrenzt so kaum die Möglichkeiten für Waren- und Imagetransport. Spuren der Druckfarben bleiben in recyceltem Karton allerdings enthalten, treten als leicht flüchtige Stoffe an die Luft und können mit der Ware in Kontakt kommen. Diesem als Migration bekannten Phänomen setzt die Karton­industrie immer neue Lösungen entgegen. Im Prinzip werden eine oder mehrere Schutzschichten auf die Innenseite des Kartons aufgetragen. So besteht keine Gefahr einer Verunreinigung. Oft sind diese Sperrschichten oder Migrationsbarrieren aber aus Material, das sich nicht so gut recyceln lässt. Auch dieses Pro­blem lösen die jüngst entwickelten Sperrschichten, die verlässlich die Migration verhindern und zugleich bei der Wiederaufbereitung keine Schwierigkeiten machen. Womit die eh schon riesigen Einsatzmöglichkeiten von Karton einmal mehr erweitert wurden. 

Quelle: KA BrandResearch, 2011