Umweltfreundliche Verpackungen

Recycling ist für Verbraucher erste Wahl

Von Michael Gneuss und Jens Bartels · 2022

Biologisch abbaubar sollen Verpackungen sein, recycelbar und umweltschonend – Nachhaltigkeit ist zu einem wichtigen Faktor in der Verpackungsindustrie geworden. Die Wertschätzung der Verbraucherinnen und Verbraucher dafür ist so hoch, dass sie sogar bereit sind, einen höheren Preis zu zahlen.

Nachhaltige Verpackungen und Behälter wie Jutenetz, Einweckglas und Edelstahlflasche
Foto: iStock/Say-Cheese

In einer Verbraucherbefragung der Unternehmensberatung Simon-Kucher & Partners aus dem Jahr 2021 gaben knapp drei Viertel der Befragten an, Wert auf eine nachhaltige Verpackung zu legen. Noch mehr, nämlich 83 Prozent, erklärten sich bereit, dafür mehr zu zahlen. Im Durchschnitt lag der akzeptierte Aufpreis bei 6,5 Prozent. Eine Verpackung ist für die Konsumenten vor allem dann nachhaltig, wenn sie biologisch abbaubar ist und aus recycelten oder recycelbaren Materialien besteht. Als besonders umweltfreundlich werden demzufolge Papier und Pappe (70 Prozent) sowie Glas (62 Prozent) wahrgenommen. Getränkekartons, Plastik und Dosen belegen hingegen die hinteren Plätze. Allerdings fühlen sich nur elf Prozent der befragten Verbraucher bezüglich der Nachhaltigkeit der Verpackung ausreichend gut informiert. „Die Ergebnisse zeigen, dass für viele Verbraucher Nachhaltigkeit vor allem mit eindeutig zuzuordnenden Themen wie der Recycelbarkeit verbunden wird“, erklärt Daniel Bornemann, Partner und Experte für Paper & Packaging bei Simon-Kucher & Partners. Die fehlenden Informationen führten jedoch dazu, dass weitere Hintergründe nicht eingeordnet werden können: „Dieses Informationsdefizit sollte die Industrie dringend adressieren, um die Nachhaltigkeit weiterer Materialien deutlich zu machen und Fehlinformationen vorzubeugen.“

Schutzschicht für Lebensmittel

Denn klar ist: Hinter einer Verpackung steckt weit mehr als eine Hülle. Für die passende Verpackung von Lebensmitteln und Konsumgütern müssen auch Faktoren wie das Gewicht, der Ressourcenverbrauch bei der Herstellung, die Wiederverwendbarkeit, Anforderungen an die Lagerung und den Transport oder die Schutzfunktion mitberücksichtigt werden. Eine Papierverpackung ist zum Beispiel nicht immer stabil und bietet oft auch keinen wirklichen Schutz. Dagegen erfüllt Kunststoff viele Anforderungen als Verpackungsmaterial: Es macht Waren transport- und lagerfähig, stellt Hygiene, Qualität und Unversehrtheit von Produkten sicher und bietet nicht zuletzt eine funktionale Barriere zum Beispiel gegen Verschmutzung, Keime, Luft, Licht oder Nässe. Dies ist gerade bei den meisten Lebensmitteln und Medikamenten wichtig.

Umweltfreundliche Verpackungen: Vielfalt bewahren

Die eine passende Verpackung für alles gibt es demzufolge nicht. Statt ein bestimmtes Verpackungsmaterial in den Vordergrund zu stellen, gilt es, die Vielfalt der Verpackungen zu bewahren – und die unterschiedlichen Verfahren zu Recycling und Wiederverwertung auszubauen und ständig zu verbessern. Und so heißt es: sammeln, trennen und richtig entsorgen.

Leichtverpackungen von privaten Endverbrauchern werden im Gelben Sack oder in der Gelben Tonne erfasst und von Entsorgungsunternehmen zu Sortieranlagen gebracht. Dort erfolgt eine Trennung in verschiedene Wertstoff-Fraktionen. Weißblech, Aluminium, Getränkekartons und getrennte Kunststoffarten (PE, PP, PET, PS) gehen ins Recycling. Das gilt auch für die Altglas- und Altpapiersammlung. Mischkunststoffe werden zum Teil weiteraufbereitet und dann stofflich oder energetisch verwertet. Sortierreste werden energetisch verwertet. Nach Angaben des Umweltbundesamts (UBA) fielen im Jahr 2019 in Deutschland 18,91 Millionen Tonnen Verpackungsmüll an. Verpackungen aus Papier, Pappe oder Karton haben dabei den größten Anteil mit etwa 8,3 Millionen Tonnen. Es folgen Verpackungen aus Kunststoffen (3,2 Millionen Tonnen), Glas (3,1 Millionen Tonnen) und Holz (3,3 Millionen Tonnen).

Höhere Recyclingquoten

Mit dem zum 1. Januar 2019 in Kraft getretenen Verpackungsgesetz, das im Januar 2022 noch einmal verschärft wurde, gelten für all diese Verpackungsmaterialien neue, ambitionierte Recyclingquoten und weitere wichtige Regelungen für mehr Transparenz und Fairness im Wettbewerb, heißt es beim UBA. Die dualen Systeme müssen im Rahmen des sogenannten Mengenstromnachweises jährlich belegen, dass sie die geforderten Quoten erfüllen. Das soll helfen, natürliche Ressourcen zu schonen, indem Abfälle, wo immer möglich, vermieden und, wo nötig, hochwertig verwertet sowie so als Rohstoffe dem Kreislauf wieder zugeführt werden. Hier sind aber auch die Verpackungshersteller in der Pflicht. Sie müssen Verpackungen so designen und produzieren, dass sie möglichst komplett recycelbar sind. Problematisch sind dabei vor allem Stoffverbünde, also Verpackungen, die aus mehreren, untrennbar miteinander verbundenen Stoffen bestehen.

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