Recyclingquote

Immer höhere Anforderungen

Von Michael Gneuss und Katharina Lehmann · 2020

Packmaterialien müssen heute immer mehr können: Sie sollen Waren und Güter nicht nur vor Beschädigungen und Verschmutzungen schützen. Sie sollen zudem noch nachhaltig und ressourcenschonend hergestellt und recycelbar oder wiederverwendbar sein. Für die Hersteller bedeutet das: Sie müssen neue Kunststoffe entwickeln, die sich besser trennen lassen. Aber auch ein Pfandsystem kann helfen.

Verschiedene Verpackungen aus nachhaltigen Materialien wie Karton und Glas. Thema: Recyclingquote
Mit Produkten aus nachwachsenden Rohstoffen soll die Plastikflut eingedämmt werden. Foto: iStock / Julia_Sudnitskaya

Zahnbürsten, bei denen lediglich der Bürstenkopf erneuert wird, Tetrapacks, die wiederverwendet werden oder Deo-Behälter, die mit neuen Deo-Stiften befüllt werden – Zero Waste heißt die Initiative, der sich in den USA zahlreiche namhafte Konsumgüter- und Lebensmittelhersteller angeschlossen haben. Ihr Ziel: Plastikabfall zu vermeiden. So werden zum Beispiel Verpackungen entwickelt, die genauso leicht und praktisch, sicher und bequem sind wie heutige Produkthüllen, die aber aus höherwertigen Materialien bestehen und gereinigt sowie erneut genutzt werden können. Die Produkte in den neuen Behältern sollen online vertrieben werden. Wer ein neues Produkt bestellt, gibt den alten Behälter bei Lieferung einfach zurück. So soll Verpackungsmüll reduziert und die wahrgenommene Wertigkeit der Produkte durch höherwertige Verpackungsmaterialien gesteigert werden. Voraussetzung: Das gesamte Ökosystem muss darauf ausgelegt sein, da die Verpackungen eingesammelt und vor der erneuten Nutzung gereinigt werden müssen. 

Die Zero-Waste-Initiative klingt vertraut: Das deutsche Mehrwegsystem funktioniert ganz ähnlich. Nur mit dem Unterschied, dass es das Ökosystem zum Einsammeln und Reinigen benutzter Flaschen schon seit Jahrzehnten gibt. Und weil es so gut funktioniert, soll sich Mehrweg nun auch in anderen Bereichen durchsetzen. Dosen an der Wurst- und Käsetheke, Coffee-to-go-Becher, ja sogar Paketboxen für den Versand der Online-Bestellung könnte es künftig deutschlandweit in Mehrweg-Systemen geben. Erste Versuchsprojekte gibt es schon.

Verpackungsspitzenreiter

Das Wiederverwenden ausgedienter Verpackungen ist aber nur ein Weg, der Verpackungsflut Herr zu werden. Denn Fakt ist: In der EU sind die Deutschen Spitzenreiter, wenn es um das Aufkommen vom Verpackungsmüll geht. Rund 18,7 Millionen Tonnen haben wir im Jahr 2017 produziert. Das sind drei Prozent mehr als im Jahr zuvor, teilte das Umweltbundesamt (UBA) anlässlich der „Europäischen Woche der Abfallvermeidung“ im November 2019 mit. Pro Kopf sind das 226,5 Kilogramm. Nur knapp die Hälfte davon geht auf das Konto privater Verbraucher. Die andere Hälfte stammt aus der Industrie. „Wir verbrauchen viel zu viele Verpackungen. In Deutschland haben wir im Jahr 2017 erneut einen Höchststand erreicht“, konstatiert UBA-Verpackungsexperte Gerhard Kotschik und fordert: „Hier muss ein Umdenken stattfinden, sowohl bei der Industrie als auch bei den Verbrauchern.“

Woher all diese Verpackungen kommen, weiß der UBA-Experte auch: „Zum einen haben wir ein Wirtschaftswachstum. Zum anderen gibt es aber auch zunehmend Seniorenhaushalte, Singlehaushalte, kleinere Haushalte, die kleinere Verpackungseinheiten verwenden.“ Zudem darf der Trend zu To-go-Essen und -Trinken in Einwegverpackungen nicht vergessen werden. Und nicht zuletzt führt der Onlinehandel zu zusätzlichen Verpackungseinheiten.

Luft nach oben beim Recycling

Knapp 70 Prozent des Verpackungsmülls werde dem Recycling zugeführt, weiß Kotschik. Gute Recycling-Quoten gebe es bei Papier und Karton, bei Glas und Stahl, geringer sei sie dagegen bei Kunststoffverpackungen. „Aber auch hier sind wir vorne mit dabei. Klar ist aber auch, dass es noch viel Luft nach oben gibt.“ Grundlage für ein besseres Recycling sei, dass die Kunststoffe einer getrennten Sammlung zugeführt werden. Verpackungen, die im Restmüll landen, gehen direkt in die Müllverbrennungsanlagen und sind für das Recycling verloren. Aber auch recyclinggerechtes Design sei wichtig. So gebe es viele Kunststoffverpackungen, die aus verschiedenen Kunststoffen bestehen, die nicht miteinander recycelt werden können. Und auch eine schwarze Farbgestaltung mit Rußfarbstoffen führt dazu, dass diese Kunststoffe in Sortieranlagen nicht erkannt und nicht dem Recycling zugeführt werden können.

Quelle: Europäisches Parlament, 2017

Höhere Recyclingquote per Gesetz

Hilfe verspricht das neue Verpackungsgesetz, das seit etwas mehr als einem Jahr in Kraft ist. Demnach sollen nun 58,5 Prozent, ab dem Jahr 2022 gar 63 Prozent, des eingesammelten Kunststoffes recycelt werden. Für Glas, Eisen, Aluminium und Papier wurde die Recyclingquote auf 80 Prozent angehoben, ab 2022 werden es sogar 90 Prozent sein. Von diesem Jahr an sind zudem 75 statt 60 Prozent der Getränkekartonverpackungen zu recyceln. Ab 2022 sollen es 80 Prozent sein. 

Doch das Gesetz sieht noch mehr vor: Hersteller und Händler, die Verpackungen in Umlauf bringen, müssen nun Lizenzentgelte an die „Stiftung Zentrale Stelle Verpackungsregister“ (ZSVR) dafür zahlen, dass Verpackungsmaterialien auch ordnungsgemäß entsorgt werden. Wer dem nicht nachkommt, darf seine Waren nicht mehr verkaufen. Und je ökologischer und recycelbarer die Verpackungen, desto niedriger die Entgelte. So erhalten die Firmen, die Verpackungen in den Verkehr bringen, finanzielle Anreize, die Umhüllungen recyclingfähiger und ressourcenschonender zu gestalten und verstärkt auf Rezyklate zu setzen. Im ersten Jahr sorgte das Gesetz aber für große Verwirrung – gerade bei den kleinen Händlern. Sie wissen oft nicht, ob und wie sie Produktverpackung, Umverpackung oder Füllmaterial bei der ZSVR registrieren sollen. Etwa 2000 Ordnungswidrigkeiten wurden daraufhin festgestellt.

Ziel soll es sein, sparsamere und ökologischere Verpackungen aus besser recycelbaren Materialien zu entwickeln. So steigen die Ansprüche an moderne Verpackungen immer weiter an: Widerstandsfähig sollen sie sein, leicht und flexibel, sicher und sauber, leichter zu säubern oder besser zu recyceln. Und dabei auch noch nachhaltig, umwelt- und ressourcenschonend. Keine leichte Aufgabe für die Verpackungswirtschaft.

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