Branchenanalyse

Fachkräfte gesucht

Von Andrea von Gersdorff · 2021

Die Kunststoffindustrie ist Zulieferer für viele wichtige Industriezweige – das wird sich so schnell auch nicht ändern. Die Zukunftsaussichten der Branche gelten als gut, die Arbeitsplätze als sicher. Doch das Imageproblem in der Bevölkerung erschwert die Nachwuchssuche.

Eine Frau, die an mehreren Bildschirmen arbeitet.
Foto: iStock/ AndreyPopov

Die Kunststoffindustrie nimmt in der deutschen Wirtschaft eine wichtige Rolle ein: Nicht nur da ihre Produkte und Lösungen in zahlreichen in- und ausländischen Industriezweigen wie der Elektroindustrie oder der Verpackungsbranche Verwendung finden, sondern auch, weil in der Branche im Jahr 2019 rund 421.000 Menschen in etwa 3.500 Unternehmen beschäftigte waren, die ein Umsatzvolumen von rund 97 Milliarden Euro erzielten. Größte Gruppe sind die Unternehmen aus dem Bereich der Kunststoffverarbeitung: Im Jahr 2020 boten sie 322.000 Menschen Beschäftigung – und das trotz coronabedingt kurzfristiger Umsatzeinbrüche. Die Arbeitsplätze für qualifizierte Mitarbeiter gelten als sicher, sehen doch die meisten Unternehmen die wirtschaftlichen Perspektiven mittelfristig insgesamt positiv. Dennoch steht die Branche vor großen Herausforderungen. Neben Digitalisierung und Kreislaufwirtschaft ist vor allem der gravierende Fachkräftemangel zu nennen. 

Schwierige Rekrutierung 

Zwar ist einerseits laut einer Branchenanalyse der Hans-Böckler-Stiftung zur kunststoffverarbeitenden Industrie, die stellvertretend für die Branche gesehen werden kann, aus dem Jahr 2020 vor allem bei Beschäftigten mit akademischem Abschluss wie auch mit Berufsabschluss ein deutlicher Anstieg zu vermerken. So stieg der Akademikeranteil in der kunststoffverarbeitenden Industrie zwischen 2014 und 2019 etwa von 6,7 Prozent auf 8,3 Prozent. Gleichzeitig aber ist es schwieriger geworden, genügend Nachwuchs beispielsweise für die Ausbildung zum Verfahrensmechaniker in der Kunststoff- und Kautschuktechnik oder zum Fachinformatiker für Systemintegration sowie Studienabsolventen aus den Bereichen Kunststofftechnik oder Materialchemie zu rekrutieren. 

Branchenanalyse wegen der Imageprobleme

Laut der Branchenanalyse sind die Schwierigkeiten im Recruiting neben der unpopulären Schichtarbeit nicht zuletzt das Ergebnis des Images von Kunststoffen in der Öffentlichkeit. So hat sich das Ansehen von Kunststoffen in den vergangenen Jahren massiv verschlechtert und ist geprägt von Verpackungsmüll, Mikroplastik und der Verschmutzung der Meere. Dies verdeutlicht sich in konkreten Zahlen: So ging im Jahr 2019 die Anzahl der Erstsemester in den Studienfächern Kunststofftechnik und -verarbeitung um 45 Prozent gegenüber dem Durchschnitt der Jahre 2017/18 zurück. Zur Anwerbung von Nachwuchskräften will sich die Branche dem nun mit Fakten und Beispielen, die ihren Beitrag zum Klimaschutz belegen, stellen. 

Quellen:
Econstor
NRW Report
CHEManager
GKV

Anhaltend rückläufiger Trend

Im Studienjahr 2020 (Sommersemester 2020 und Wintersemester 2020/21) ist die Zahl der Studienanfänger um vier Prozent auf insgesamt 488.600 Personen gefallen und damit zum dritten Mal in Folge rückläufig. Besonders technisch orientierte Studiengänge, wie Informatik (minus fünf Prozent), Maschinenbau/Verfahrenstechnik (minus zehn Prozent) und Elektrotechnik und Informationstechnik (minus 14 Prozent) leiden unter einem starken Rückgang.

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