Kunststoffrezyklate

Aus Alt mach Neu

Von Harmut Schuhmacher und Katharina Lehmann · 2021

Dank Up- und Recycling, aber auch dank der Verwendung nachwachsender Rohstoffe können auch Kunststoffe ihren Teil zur Nachhaltigkeit beitragen. Aber nicht alles, was die Bezeichnung „bio“ trägt, ist automatisch besonders umweltfreundlich.

Upgecycelte Flaschen
Foto: iStock/recep-bg

Sie sind farbenfroh und hip, gleichzeitig unglaublich praktisch, robust und wasserabweisend – Taschen und Rucksäcke aus gebrauchten LKW-Planen. Bundesweit gibt es immer mehr Hersteller, die den Planen aus Polyester mit PVC-Beschichtung ein zweites Leben einhauchen: Haben sie auf dem Laster ausgedient, werden sie als Obermaterial für die Taschen eingesetzt. Für die Riemen nutzen manche Taschenproduzenten gebrauchte Sicherheitsgurte oder ausgediente Fahrradschläuche. Doch die Taschen sind nicht die einzigen Produkte, bei denen ganz im Sinne des Upcycling alte Kunststoffe neu zum Einsatz kommen: Führende Hersteller von Outdoorkleidung tüfteln derzeit an Trekking-Hosen aus recyceltem Polyamid, das aus Altreifen stammt, oder an Mützen, die aus recycelten Fischernetzen produziert werden. Zudem werden bereits heute zum Beispiel jedes Jahr rund 25 Millionen Tonnen Kunststofffasern aus PET-Flaschen gewonnen. Aus ihnen stellt die Textilindustrie Kleidung her.

Kunststoffrezyklate: lieber wiederverwerten statt vernichten

Ausgedienten Kunststoffprodukten, aber auch solchen aus Edelmetallen oder Aluminium, Papier oder Textilien, ein zweites Leben einhauchen – das ist die Devise der Kreislaufwirtschaft. Die Idee dahinter: Rohstoffe wiederverwerten und so möglichst lange nutzen statt vernichten und damit Ressourcen schonen und dem Planeten etwas Gutes tun. Das ist auch im Sinne des 2012 in Kraft getretenen Kreislaufwirtschaftsgesetzes, das darauf abzielt, Abfälle zu vermeiden. Zwar gelten Kunststoffe nicht unbedingt als Paradebeispiel für Nachhaltigkeit. Dabei sind gerade sie prädestiniert für ein zweites Leben – und das nicht nur im Sinne des Upcyclings. Aus alten Verpackungen, die über das Duale System gesammelt werden, entstehen nicht nur Textilien und Baustoffe, sondern auch wieder neue Verpackungen. „Bei Kunststoffen findet eine umfassende Sammlung und Aufbereitung der Abfälle statt“, weiß auch der Branchenverband der deutschen Entsorgungs-, Wasser- und Rohstoffwirtschaft BDE. Das gilt zumindest in Deutschland. Weltweit werden laut WEF weniger als 15 Prozent der Kunststoffe recycelt. Ein Großteil des Restes wird verbrannt, deponiert oder in der Umwelt zurückgelassen. Doch auch hierzulande gelinge der Wiedereinsatz von Kunststoffrezyklaten in der Praxis nur unzureichend. Es fehle an Instrumenten wie einer Mindesteinsatzquote für Rezyklate. Zudem müsse die Recyclingfreundlichkeit bereits bei der Produktion mitgedacht werden. „Circular Economy funktioniert nur, wenn alle Akteure den Kreislauf mitdenken“, erklärt BDE-Präsident Peter Kurth.

Nachwachsende Rohstoffe verwenden

Quelle: Stifterverband für die Deutsche Wissenschaft, 2021

Zur Kreislaufwirtschaft gehört aber auch, statt der endlichen fossilen Ressourcen neben Rezyklaten auch nachwachsende Rohstoffe zur Kunststoffproduktion einzusetzen. Materialien wie Mais, Zuckerrohr und Kartoffeln dienen als Ausgangsstoffe für diese biobasierten Kunststoffe. Diese Rohstoffe werden zu chemischen Grundstoffen verarbeitet, die dann für die Herstellung von Kunststoffen verwendet werden, oft kombiniert mit herkömmlichen oder recycelten Kunststoffen. Jedoch: Ihre Umweltauswirkungen sind laut dem Bundesumweltamt nicht unbedingt besser: Zwar setzen sie weniger Kohlendioxid frei, tragen durch ihre landwirtschaftliche Produktion aber zu einem größeren Flächenbedarf bei sowie zu einer stärkeren Versauerung und Überdüngung von Böden und Gewässern. Zudem vertragen sich einige biobasierte Kunststoffe nicht mit den gängigen Sortiermethoden, so dass sie meist nicht recycelt, sondern lediglich energetisch verwertet werden können. Biologisch abbaubare Kunststoffe lassen sich dagegen durch Mikroorganismen in natürliche Substanzen wie Wasser, Kohlendioxid, Methan und Biomasse zersetzen. Allerdings sind viele Kompostieranlagen noch nicht auf biologisch abbaubare Kunststoffe, die für die Zersetzung relativ viel Zeit benötigen, eingerichtet. Die Folge: Auch diese Kunststoffe werden oft einfach energetisch verwertet. Hier braucht es dringend neue Methoden im Sinne der Kreislaufwirtschaft – und die müssen bereits beim Design der Produkte mitgedacht werden.

Quellen:
dw.com   
Umweltbundesamt

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