Kartonage

Essen aus der Pappschachtel

Von Wolfgang Zügel · 2016

Papier, Pappe und Karton zählen zu den meistverwendeten Verpackungsmaterialen im Lebensmittelbereich. Damit der Inhalt auch gegen Verunreinigungen geschützt ist, braucht es aber zusätzlich eine Innenbeschichtung oder separate Innenbeutel. Neue Verpackungen auf Frischfaser-Basis sollen zu noch mehr Lebensmittelsicherheit beitragen.

Jedes Jahr werden in Deutschland rund neun Millionen Tonnen Verpackungen aus Papier, Karton und Pappe hergestellt, haben die Wirtschaftsverbände Papierverarbeitung (WPV) ermittelt. Die Hälfte davon, also etwa 4,5 Millionen Tonnen, sind für das Verpacken von Lebensmitteln vorgesehen. Damit gehören Papier, Karton und Pappe zu den am häufigsten verwendeten Verpackungsmaterialien. Aufgrund ihrer ökologischen Eigenschaften ist Kartonage ein wichtiger Eckpfeiler einer zukunftsorientierten, klimaverträglichen Verpackungsstrategie. Denn die Verpackungen aus Papier, Karton und Wellpappe bestehen nicht nur aus nachwachsenden Rohstoffen: Hergestellt werden sie meist aus Cellulosefasern – einem Zellstoff, der aus Holz gewonnen wird. Sie lassen sich nach Gebrauch auch mit geringem Aufwand wieder zu neuen Papierprodukten verarbeiten. 

Recyclingkartonage nicht für alle Lebensmittel geeignet

Grundsätzlich ist es allerdings sinnvoll, möglichst oft auf recyceltes Material zurückzugreifen. Denn Wellpappenrohpapiere auf Altpapierbasis bieten klare Vorteile gegenüber Frischfasererzeugnissen. Die Aufbereitung gebrauchter Papierfasern ist weniger energieintensiv als das Kochen von Holzfasern für die Papiergewinnung. Und auch der Wassereinsatz ist bedeutend niedriger. 
Doch gerade in der Lebensmittelindustrie ist es nicht immer von Vorteil, recycelte Papier- und Pappverpackungen zu verwenden. Denn als Verpackung soll der Karton unsere Lebensmittel vor allem vor Licht, Staub und Schmutz schützen. Gegen unerwünschte Substanzen wie Mineralöle, Phthalate, DIPN und Bisphenol A stellen die Papier- und Pappepackungen leider keine ausreichende Schutzbarriere dar. Immer wieder berichteten Verbraucherschutzorganisationen wie Stiftung Warentest oder Foodwatch von der Migration derartiger Stoffe in die Lebensmittel. Der Grund: Derzeit werden fast 90 Prozent aller Kartonagen aus Altpapier produziert. Dieses recycelte Papier, das aus Zeitungen, Zeitschriften und Verpackungspapieren besteht, enthält jedoch mineralölbasierte Druckfarben, die während des Recyclingprozesses nicht ausreichend entfernt werden können und so in den neuen Karton eindringen. Von dort aus können sie entweder durch direkten Kontakt mit dem Lebensmittel oder aber im gasförmigen Zustand durch die sogenannte Migration in die Lebensmittel gelangen.

Neue Materialien für mehr Lebensmittelsicherheit

Funktionelle Barrieren schützen Lebensmittel vor der Migration von Schadstoffen. Das können entweder separate Innenbeutel sein oder auch in den Karton integrierte spezielle Verpackungsschichten. Sie helfen auch, den Karton vor Feuchtigkeit zu schützen. Denn generell gehören nur trockene Produkte wie Mehl oder Nudeln in die Papier- oder Pappverpackung, weil sie unbeschichtet keine Barriere gegenüber Feuchtigkeit oder Sauerstoff bieten. Kartonagen für fetthaltige oder nicht vollständig trockene Lebensmittel werden daher mit einer zusätzlichen Innenbeschichtung versehen oder gleich als Verbundkarton hergestellt. Der Karton gibt dem Verbundstoff Form und Stabilität, die Innenbeschichtung dichtet gegen Flüssigkeiten und Fette ab und eine zusätzliche Aluminiumschicht schützt den Inhalt vor Licht und Sauerstoff.

Hell oder dunkel

Zudem verarbeiten immer mehr Hersteller Frischfaser-Materialien – also Kartons aus neuen Fasern aus der Forstwirtschaft. Auch stellen Produzenten zunehmend auf Altpapiersorten mit einem höheren Anteil mineralöl­freier Druckfarben um. Sichtbar ist dies für den Verbraucher an der Farbe – dunkel und hell. Je dunkler der Karton, desto höher ist normalerweise der Recycling­anteil und damit auch die mögliche Konzentration der Mineralöle. Kartonhersteller bieten deshalb Verpackungen auf reiner Frischfaser-Basis mit cremefarbener Rückseite an. Hinzu kommend die bereits etablierten Verpackungen mit heller Rückseite (GT1) sowie mit dunkler Rückseite (GT4). Zum Schutz der Lebensmittel und der Verbraucher ist also einiges passiert in den vergangenen Jahren.