Materialkreislauf

Vom Design bis zum Recycling

Von Jens Bartels · 2020

Von der Wiege bis zur Bahre – auch bei Verpackungen kommt es in puncto Nachhaltigkeit auf den Lebenszyklus an. Zukunftsweisende und innovative Lösungen im Sinne einer Circular Economy können helfen, Verpackungen nachhaltiger aufzustellen. Das schont die Umwelt und ist gleichzeitig Grundlage neuer Geschäftsmodelle.

verschiedene Mehrweg-Verpackungen
Foto: iStock/ Svetlana-Cherruty

Für Konsumenten spielt Nachhaltigkeit eine große Rolle. Mehr als die Hälfte von ihnen gibt an, beim Kauf auf die Langlebigkeit von Produkten zu achten. Das ist eines der zentralen Ergebnisse einer aktuellen Studie der Unternehmensberater von EY. Demnach finden bei der jüngeren Generation der 18- bis 29-Jährigen sogar mehr als 70 Prozent dieses Kriterium wichtig. Zudem sind 67 Prozent der befragten Konsumenten bereit, für ein nachhaltiges Produkt mehr zu bezahlen, obwohl der Preis über alle Altersklassen hinweg immer noch das wichtigste Kaufargument ist. Dieses Wissen und das damit verbundene Potenzial einer Kreislaufwirtschaft können Unternehmen auf vielfältige Weise in die Herstellung ihrer Produkte und der dazugehörigen Verpackungen einbringen. Allerdings verfolgen nur 16 Prozent der Unternehmen bei Verpackungen schon kreislaufwirtschaftliche Ansätze. „Dabei ist gerade das Thema Packaging ein Punkt, der als Bestandteil des Produktes kreislauffähig gedacht werden muss“, sagt Marie-Theres Hosp von EY. „Wer innovative Lösungen entwickelt, kann zu den First Movern gehören, denn bislang wird die Kreislaufwirtschaft nur in einigen wenigen Bereichen angegangen.“

Materialkreislauf: Abfall als Ressource begreifen

Die Kreislaufwirtschaft ist auf dem Vormarsch. Grundsätzlich geht es dabei um das Etablieren eines geschlossenen Materialkreislaufs, der die Entstehung von Abfällen minimiert und im Idealfall vermeidet. Mehrere Grundprinzipien sind charakteristisch für diese Circular Economy. Zunächst gilt es, Ressourcen effizient einzusetzen sowie erneuerbaren Materialien und Energien den Vorzug zu geben. Optimalerweise fungieren dabei wiederverwertbare Abfallprodukte ebenfalls als Ressourcen und verbleiben so lange wie möglich in der Wirtschaft, auch nachdem das Produkt das Ende der ersten Nutzungsperiode erreicht hat. Für Verpackungen bedeutet dieser Ansatz, bereits beim Design an den Materialkreislauf zu denken. Klar muss auch sein: Je besser eine Verpackung sortierfähig und recyclingfähig ist, also etwa aus einem Mono-Kunststoff besteht, desto besser ist die Qualität des Rezyklats, das anschließend wieder zur Produktion eingesetzt werden kann. Wichtig ist außerdem, Verpackungen unter Einsatz neuer Technologien leichter zu machen, um Rohmaterial einzusparen. Nachfüllpackungen verringern ebenfalls den Materialeinsatz. 

Innovative Technologien nutzen

Welche Wege und neuen Konzepte beschritten werden können, um das Denken in Kreisläufen in Innovationsprozessen von Anfang an zu integrieren, zeigt ein Blick in die Kosmetikbranche. Immer mehr Firmen experimentieren in diesem Bereich unter anderem damit, Plastikverpackungen durch neue Materialien zu ersetzen. Die entsprechenden Technologien entwickeln sich rasant weiter. So haben kürzlich ein Chemie-, ein Mineralöl- sowie ein Kosmetikunternehmen im Rahmen einer Partnerschaft eine nachhaltige Kunststoffverpackung vorgestellt, die aus wiederaufgefangenen und recycelten Kohlenstoffemissionen hergestellt wird. Eine andere von Verpackungsspezialisten entworfene Lösung macht papierbasierte Tuben als Behältnis für Kosmetik praxistauglich. Das Verfahren ermöglicht den Ersatz von Kunststoff durch größtenteils biobasierte und papierähnliche Stoffe. Auch die Europäische Union unterstützt das Ziel, Umweltauswirkungen, die von Verpackungen verursacht werden, zu reduzieren. Die EU-Kommission hat in diesem Jahr einen Aktionsplan zur Circular Economy präsentiert, um Europa sowohl ökologisch sauberer und wettbewerbsfähiger als auch unabhängiger zu machen. Es ist einer der wichtigsten Bausteine des europäischen Grünen Deals, Europas neuer Agenda für nachhaltiges Wachstum. In dem Aktionsplan werden neue verbindliche Anforderungen an Verpackungen formuliert, die auf dem EU-Markt zugelassen sind, einschließlich der Verringerung von extrem aufwendigen Verpackungen. Ehrgeizige Ziele setzt die Europäische Union auch beim Thema Kunststoffe. Hier gibt es neue verbindliche Anforderungen an den Rezyklat Anteil und eine besondere Konzentration auf Mikroplastik sowie biobasierte und biologisch abbaubare Kunststoffe. Experten gehen davon aus, dass der rechtliche Rahmen den Weg zu nachhaltigeren Verpackungslösungen forciert.

Verpackung einfach wiederverwenden

Gleichzeitig lassen sich Verpackungsabfälle aber auch vermeiden, indem Packmaterialen wiederverwendet werden. Gerade in Deutschland kamen in den vergangenen Jahren immer neue Mehrwegsysteme in die Verkaufsräume. So geben einige Supermärkte Wurst und Käse an der Frischetheke inzwischen in Mehrwegbehältern aus. Und in Drogerien lassen sich Shampoo, Wasch- oder Spülmittel an Spendern separat abfüllen. Dadurch dass die Behältnisse immer wiederverwendet werden, werden weitere Ressourcen geschont. Mitunter kommen Produkte aber auch ganz ohne Verpackungen aus. Das Schlagwort dahinter heißt „Unverpackt“.

Grafik: Recyclingquote verschiedener Haushaltsabfallarten in Deutschland im Jahr 2018
Quelle: Statistisches Bundesamt, 2020

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